Sound of Hunger

Den Klang des Hungers erzeugen: Joaquín Orellana im Gespräch mit Stefan Benchoam, Julio Santos und Alejandro Torún, Einführung von Monika Szewczyk. Translated by ALH for documenta 14. Orellana on útiles sonoros, the Sinfonía desde el Tercer Mundo, its world premiere in Athens 2017 and and aspects of his live and work. Translated by ALH. Read the German version here

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[Das Bild zeigt Joaquín Orellanas Ton-Gerätschaften in seinem Studio in Guatemala-Stadt, 2016]

Ammo [en allemand & à l’anglaise]

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ALH on J.F.C. Fuller, Hedy Lamarr, Christian Andreas Cothenius, Crystal Meth, candy bars, Deutsche Stecher, Ghost Tape 10 and other topics of armed conflict resolution and advanced weaponry. Exhibition catalog Under Arms. Fire & Forget 2 // MAK Frankfurt am Main [curated and published by Ellen Blumenstein, Daniel Tyradellis and Matthias Wagner K].

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English and German edition in one book! Publishing house: Distanz Verlag [Berlin // Germany]

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hermal (Nullnummer)

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Im beklagenswerten Zustand, in welchem sich Teile der gegenwärtigen Forschungslandschaft heute befinden, liegt es dann auch nahe, dass populärkulturelle Elemente hier einfließen können. In einem erst kürzlich eingereichten Vorschlag für ein Symposium wurde ganz ernstlich nahegelegt, dass zwei Akkordfolgen [Eᵇ F# Eᵇ F# Dᵇm H F# und Am D Am D Cm G], die dem Soundtrack zu einem sechsminütigen Experimentalfilm aus dem Jahr 1949 eines obskuren kalifornischen Filmemachers entstammen, sich als quasi-phytagoräische Tonalsegmente dafür anbieten würden, mathematisch basierte Universalverhältnisse zu prüfen – und all das versehen mit dem Hinweis, dass jene Akkordfolgen der Begleitmusik hurritischer Zeremonialgesänge exakt glichen! Nun lässt sich aber (wie nicht anders zu erwarten) weder der Komponist, ein gewisser Jonathan Halper, dieser Filmmusik nachweisen, noch hat jemals jemand irgendwelche Belege für hurritische Zeremonialgesänge oder deren Begleitung zu Gesicht bekommen. Ausgegebene Kurzlosungen wie „Leben – Tod – Leben“ oder „Leben, zweisilbiger Tod“ die in Form von Sgraffitos auf dünnen Goldplättchen bereits in Tumuli des 12. Jahrhunderts v. u. Z. gefunden wurden, sollen Zusammenhänge zwischen diesen wild imaginierenden Entwürfen und ältester dionysischer Orphik stiften. Der wissenschaftlich sich gebende Anstrich solcher „Denkrichtungen“, mögen sie sich etwa Hermetic Experimental Research oder Lithografischer Realismus nennen, erweist sich als bloßer Schaum und Rauch. Ob es sich hierbei um die bewusste Agitation einzelner oder um den Ausdruck des fahrlässigen Umgangs mit ungesichertem Quellenmaterial handelt, müssen andere Einrichtungen klären. [excerpt]

{ALH for Diaphanes Magazine #0}

Miners

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Plinius der Ältere hat das Buch XXXVI seiner Naturkunden den Steinen gewidmet. Er berichtet dort vom Tempel der Fortuna in Antium, dessen Neubau Nero errichten ließ. Erbaut zur Gänze aus phengites, dem Leuchtstein (Glimmer). Ein hochgradig transluzides Kristall-Mineral das sich in hauchdünne Scheiben schneiden lässt. Dass diese trotzdem über die Härte des Marmors verfügen, hat Guido Panciroli im 16. Jahrhundert dazu erfunden. Schloss man alle Türen dieses Tempels, dann blieb es auch bei Tage helle in seinem Inneren. Vom angeblichen Tempel sind nicht einmal Fundamente zu finden. Heute aber kann jeder von uns Tag und Nacht in ihm sein Glück finden, weil er beinahe überall ist. Sarkophag und Bunker im Weltmaßstab. Wird man einen dunkleren Spiegelstein (Lapis specularis) finden, durch den hindurch wir abermals zu sehen vermöchten, was das Bild einer zweitausendfünfhundert Jahre alten Vase zeigt, die sich heute in Toledo, Ohio, befindet? Hades, wie er am Eingang in die Unterwelt freundschaftlich parliert mit dem seit der Bronzezeit mit Zeus eng verbundenen ältesten Gott der „Griechen“: Dionysos. Der hat sogar einen kleinen Pan-Knaben mitgebracht, der mit Zerberus spielt und Unfug treibt. [excerpt // speech by ALH]

Lecture and talk in Vienna (September 20th, 2016). Preview “Bleibende Steinzeit” (TUMULT. Schriften zur Verkehrswissenschaft). Together with Walter Seitter and René Luckhardt. Supported by Sonderzahl Verlag and Galerie Bernd Kugler.

Dream Fugue and artefacts of a forthcoming future

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A sleep-waking day (and a night) dedicated to the commemoration of the visionary Thomas De Quincey who passed away into the bigger realm of dreams 156 years ago.

“Of this at least I feel assured, that there is no such thing as forgetting possible to the mind; a thousand accidents may and will interpose a veil between our present consciousness and the secret inscriptions on the mind; accidents of the same sort will also rend away this veil; but alike, whether veiled or unveiled, the inscription remains for ever, just as the stars seem to withdraw before the common light of day, whereas in fact we all know that it is the light which is drawn over them as a veil, and that they are waiting to be revealed when the obscuring daylight shall have withdrawn.”

Der Traum ist die letzte Instanz!

(Filmstill: Les derniers jours d’Emmanuel Kant [1994]; dir. par Philippe Collin)

Röcke tragen // Kleider tragen

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Hosen sind zwei gegabelte Röhren, die fuglos in einem oben offenen, schnür- und füllbaren Hüftsack enden. Die internationale Mode- und Bekleidungsindustrie spricht daher von bifurcated garments. Ob diese Röhren nun mit je einer Bügelfalte versehen werden oder aber mit keiner spielt nur eine unwesentliche Rolle. Üppigere Drapierungen oder Fältelungen sind nicht zu erwarten. Während sich noch in der griechischen Antike die Bekleidung von Männern (chlamys / himation) und Frauen (peplos / chitón) bestenfalls durch die Saumlänge unterschied, ist das nun schon seit geraumer Zeit anders. Tragen Männer Kleider oder Röcke, die in der Regel für Frauen gefertigt wurden, dann öffnet sich sofort ein gewaltiges Feld, das bevölkert ist mit Fetischen, Geschlechterdifferenzen, Transvestiten, Perversionen, Crossdressing, Homo-, Hetero oder Transsexualitäten. Dieses wird dann immer noch gerne mit der Sehhilfe einer Psychoanalyse überschaut, die schon länger keinen Optiker gesehen hat. Entbergung und Verbergung, Ordnung des Schleiers und Ordnung der Einhüllung; egal ob das Objekt verborgen wird oder der Objektmangel – es bleibt bei einer Logik des Blicks und der Sichtbarkeit von Objekten. {…} Wir dürfen uns [aber] einen erotisch begeisterten Menschen denken, dem das Eintauchen in das Kleid dem Betreten einer hermetischen Kammer oder dem Angespült-werden an den Strand einer Insel gleicht. Sensorische Erfahrungen kollabieren und durchmischen sich, da der andere aufhört, die Ränder und Übergänge der Welt zu sichern. Die das ganze Feld bedingende Wahrnehmungsstruktur gerät ins Schwanken dort, wo, im Zurücktreten des anderen, Bewusstsein und Objekt anfangen eins zu werden. Ein solcherart leidenschaftlich Begabter lässt daher die Gabelung hinter sich, wenn er sie gegen das Kleid tauscht. Er erprobt ein disinvestment hinsichtlich der Dichotomie. Das Kleid, das er zu werden beginnt, wird gewissermaßen vom Chaos, vom Wirbel, erfasst; es gleicht nun auch einem Resonanzkleid, das wie eine Membran die pulsierenden Lineaturen aufnimmt und sie in Intensitäten verwandelt. Will man auditiv fassen, dann „raschelt“ und „rauscht“ ein Kleid grundsätzlich. Die pathische Apprehension (Guattari) die hier ins Spiel kommt, wird vom Nicht-Organischen aufgeschlossen, das ein solches Begehren ergreift und kapert, ohne sich sofort wieder entlang der eingefahrenen Organisationsordnung der Fetisch-Lust einfangen zu lassen. [Auszug]

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Original photography by Andy Tan. Model: Jelle Haen (Future Faces)

It was summer, now it’s autumn

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And now the heat of the day had gone and the light of the sky was fading from scarlet to rose and from cobalt to powdered violet and as the lights began to flash on Cosnahan asked himself: What was so theatrical about a swift flurry of figures or one lone figure under an arc light in a great city?
He would have liked to „get it“, to capture too – he felt an almost passionate desire to capture – the beauty of the unending processions … And now it is marathon moon of tangerine. Arcturus. Spica. Fomalhaut. The Eagle; and the Lyre. (Malcolm Lowry)

Where the tangerines blossom – keep it coming. Under the vast vapid ravines called sky.

[All pics by Katharina Copony]

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