Paradise Lost and Regained (CTM.13)

Guercino's Et in Arcadia Ego

{Bild: Schädel}

Vikar, exkommunizierter Theologiestudent, der seinen Namen mit einem K schreibt, trifft an einem Augustnachmittag in Los Angeles ein. Er streift auf dem Hollywood Boulevard herum und nicht allein dieser scheint ihm merkwürdig. Aber auch er selbst ist eine seltsame Erscheinung.

On Vikar’s shaved head is tattooed the right and left lobes of his brain. One lobe is occupied by an extreme close-up of Elizabeth Taylor and the other by Montgomery Clift, their faces barely apart, lips barley apart, in each other’s arms on a terrace, the two most beautiful people in the history of the movies, she the female version of him, and he the male version of her.

Vikar, der Protagonist aus Steve Ericksons Meisterwerk Zeroville (2007), ist ein Meister des Schnitts, ein geborener Filmeditor. Doch das wird er erst später herausfinden; erst einmal lebt er bloß in einer Welt, die sich ausschließlich aus Filmsequenzen zusammensetzt. Dabei ist er kein Cineast, sondern ein Cineautist. Er nimmt die Welt überhaupt nur über Ähnlichkeiten zu und in Bezügen auf Filme wahr. Er ist auch ein großer Träumer, wobei er immer unsicher bleibt, ob nun die Filme die Träume generieren, oder … Es gibt da nämlich einen immer wiederkehrenden Traum, in welchem er einen horizontal gelagerten Felsen [horizontal rock] sieht, an dessen oberem Ende eine glühend weiße Schrift geschrieben steht [glowingwhitewritingacrossthe top]. Oben auf dem Felsen befindet sich die Silhouette einer Figur, und der Felsen selbst hat einen Riss [chasm], aus dem tosender Sound [roaringsound] dringt. Nachdem er beginnt für ein Hollywoodstudio zu arbeiten, wo man rasch seine geniale Begabung Filme zu schneiden erkennt, und nachdem er auch an zahlreichen Produktionen in Europa mitgewirkt, ja sogar Joris-Karl Huysmans Roman Là-bas selbst verfilmt hat, fängt er an, Prints aller möglichen Filme zu sichten und solche auch selbst zu erwerben. Dabei muss er feststellen, dass in jedem Film, die er framefür framesichtet – sei es nun Dreyers La passion de Jeanne d’Arc (1928) oder ein Pornofilm aus dem Jahr 1982 – immer wieder ein frame findet, der genau dieses Bild aus seinem Traum zeigt. Das Gespenst von Monty Clift (oder eine Traumvision desselben) wird ihn später fragen:

„Doesn’t it seem strange,“ Monty says, „that there are twenty-four frames per second of film? That in every second of film are the number of hours in a day?“ He says, „What’s it mean that every second of a film is a day in the life of a secret film that someone’s been waiting for you to find in all the other films?“
„I don’t know. Perhaps,“ Vikar says, „someone is showing me a way out ofsomething.“
„Or a way in.“

{Bild: Zero}

Francesco Giovanni Barberieri schuf im Jahr 1618 sein Gemälde Et in Arcadia ego. Auf die breite und lang andauernde Debatte, wie man denn diesen Spruch richtig zu übersetzen habe, werde ich nicht eingehen. Die modale Spannung zwischen „Auch in Arkadien bin ich“ und „Auch ich war in Arkadien“ [„I, too, was in Arcadia“] reicht zur Verdeutlichung nicht aus, da man nicht bestimmt, auf wenn sich dieses Ich bezieht. Ich aber betone nun und versehe mit Stimme: „Selbst in Arkadien gibt es mich“ [„Even in Arcadia, there (am) I“]. Ich, der Tod.

{Bild: Schädel}

Es ist der Tod selbst, der ihn vielerlei Gestalt Arkadien durchstreift. Ihn darf man ebenso wenig aufgeben, wie man auch die Liebe nicht fahren lassen darf. Weder die zum anderen oder auch gleichen Geschlecht im Raum wie auch in der Zeit –zur je nächsten Generation.

Arkadien ist nicht Eden, das Goldene Zeitalter kein Paradies.

{Bild: Zero}

Martin Treml and Andreas L. Hofbauer for CTM.13 on SOUNDCLOUD (listen here)

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