Artillery

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With the speedboat up the river Nāf, your tight fitting gloves of hushed velvet in mine, on an icy sidewalk in Vancouver, lounging all day long in a den of vice in the Red City – with a hint of mint in the air.

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Flacons in the size of 0.20 ml / 0.68 fl oz come as quick refill cartridges: Perfect artillery for dangerous nights out and playful extravaganzas in broad daylight.

{Pics by Katharina Copony}

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Ammo [en allemand & à l’anglaise]

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ALH on J.F.C. Fuller, Hedy Lamarr, Christian Andreas Cothenius, Crystal Meth, candy bars, Deutsche Stecher, Ghost Tape 10 and other topics of armed conflict resolution and advanced weaponry. Exhibition catalog Under Arms. Fire & Forget 2 // MAK Frankfurt am Main [curated and published by Ellen Blumenstein, Daniel Tyradellis and Matthias Wagner K].

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English and German edition in one book! Publishing house: Distanz Verlag [Berlin // Germany]

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It was summer, now it’s autumn

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And now the heat of the day had gone and the light of the sky was fading from scarlet to rose and from cobalt to powdered violet and as the lights began to flash on Cosnahan asked himself: What was so theatrical about a swift flurry of figures or one lone figure under an arc light in a great city?
He would have liked to „get it“, to capture too – he felt an almost passionate desire to capture – the beauty of the unending processions … And now it is marathon moon of tangerine. Arcturus. Spica. Fomalhaut. The Eagle; and the Lyre. (Malcolm Lowry)

Where the tangerines blossom – keep it coming. Under the vast vapid ravines called sky.

[All pics by Katharina Copony]

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Diplomaten und Konsuln … about the infirm state

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Konsul Geoffrey Firmin wusste um das Anagramm, das sich in seinem Nachnamen verbarg. Und er wusste, dass es Signum des Diplomaten ist. Bogdan Bogdanović Stelen in Travnik stehen vergessen. In Gruppen, zwei und zwei. Manche haben ihren Partner verloren, und er liegt gefällt und geschlagen, überwuchert vom Gras. Sie starren verängstigt und vielleicht auch drohend schreiend in die Weite des Landes. In beide Richtungen. Ein unhörbarer Schrei, der wohl auch der Schlange des Paradieses entfuhr, als sie begriff, dass es Mächtigeres gibt zwischen Gott und Gesetz und Verführung und Wille. Denn die Inschrift, die sie gleich den Sirenen am Horizont ablesen lautet: Et in Arcadia ego.

Die modale Spannung zwischen „Auch in Arkadien bin ich“ und „Auch ich war in Arkadien“ [„I, too, was in Arcadia“] reicht zur Verdeutlichung nicht aus, da man nicht bestimmt, auf wenn sich dieses Ich bezieht.

Ich nun betone hier und versehe mit Stimme, was sich da abzeichnet: „Selbst in Arkadien gibt es mich“ – den Tod. [„Even in Arcadia, there (am) I“ – Death].

Im September muss man lange suchen, bis man die Schlangen-Köpfe oben findet, denn der Mais der Felder beschützt sie. Im Winter, wenn das Land kahl ist, ist der Weg zu ihnen wohl klarer zu sehen. Doch gewiss versprechen sie zu keiner Jahreszeit Paradies oder Garten. Aber sie stehen tapfer in ihrem Leid. Und das ist tröstlich.

All Pics Katharina Copony

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Rust never sleeps

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Man sagt, dass der Weg des Philosophen ein beschwerlicher und steiler sei. Manchmal geht es hinab in Gosse und Hölle und in die Untiefen von Brunnen, dann zuweilen wieder hinauf in einen Turm oder zu den Wolken. Das Denken wiederum gleicht – auch das hat man schon gesagt – dem Herumschieben von schweren Möbeln in einem engen Zimmer oder dem Smog über dem Talkessel einer südosteuropäischen Stadt im Herbst. Doch dann gibt es da noch die Typographie des Wissens … und sie ist unerwartet tröstlich, fast wie das Kinderspiel, das die Reden für den seligen Gorgias waren. Die Statue, die man ihm setzte war freilich aus reinem Gold. Möge unsere den Rost nicht abweisen!

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All pics by Katharina Copony

Ad Katechon

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Ein Satz, geschrieben wohl im 1. Jahrhundert nach Christus, gerichtet an die christliche Gemeinde in Thessalonich (Saloniki), hat aufgrund seines anscheinend dunklen Sinns Anlass zu vielerlei Deutung gegeben. „Und nun wisset ihr, was [ihn] aufhält, bis er offenbar werde zu seiner Zeit.“ Während der erste Brief an die Gemeinde in Thessalonich ohne Zweifel von Paulus stammt und (50 n. Chr. verfasst) ältestes Schriftdokument des NT ist, ist der Verfasser des zweiten Briefes, in welchem sich unser Verweis auf den Aufhalter oder das Aufhaltende (kat-echon) findet, wohl eher nicht Paulus gewesen. Während der erste Brief noch von der Parusie (Wiederkunft Christi beim Jüngsten Gericht), also von Christierneuerter Gegenwart, zu Lebzeiten des Autors ausgeht, schiebt der zweite Brief diese bereits auf und warnt vor der Irreführung durch die stets wirksame Bosheit in der Welt. Erst wenn der Aufhalter/das Aufhaltende weggenommen sein wird, wird die Apokalypse anbrechen, das Böse endgültig überwunden und das Reich des Lichts anbrechen. Wir haben es also angesichts der Kandidaten, die für die Rolle des Aufhalters / des Aufhaltenden im Laufe der Zeit vorgesprochen haben (Rom, das Reich, der Kaiser, der Papst, das Archiv, das Museum, der Fürst dieser Welt, der Bunker u.v.a.m.), genau genommen mit einer zur Hälfte antichristlichen und sehr diesseitigen Funktion zu tun:Aufhaltung der Bewegung, welche die Welt der Vollendung zuführt, das heißt der endgültigen Verklärung oder Verlichtung. Der kat-echonist deshalb nicht allein Aufhalter/Aufhaltendes der Apokalypse, sondern indem er/es diese aufhält, auch der Aufhalter des Reiches Gottes, des Lichtreiches, das jener folgt.

Nun haben sich mit dieser Stelle über die Zeiten hinweg vielerlei Personen beschäftigt. Tertullian, Johannes Chrysostomus, Eusebius von Caesarea, Otto von Freising, Kardinal Newman, Erik Petersonoder Erich Przywara. Wirkungsmächtig im nunmehr auch schon wieder vergangenen Jahrhundert war es dann Carl Schmitt, der mittels des ihm eigenen Hangs zur Stilisierung und gemäß seiner These, dass alle politischen Begriffe säkularisierte theologische seien, dem kat-echon wieder zu Prominenz verhalf.

Bedenkt man nun aber etwa bloß die Dauer des Kaliyugas (in dem wir uns gerade befinden) von 432.000 menschlichen Jahren … und weiter, dass nach Ende dieses Zeitalters wieder das erste des Mahayugas (des großen Zeitalters) anbricht … und weiter, dass tausend Mahayugas das Kalpa (ein Tag und eine Nacht) des Brahma sind und dieser hundert Jahre lebt, dann mag man sich an seinen immer wieder neu geborenen Fingern abzählen, wann mit der Parusie zu rechnen ist. Für den gläubigen Christen mag dies hanebüchen sein, doch auch die katholischen Auslegungsversuche des kat-echon waren für die protestantische Theologie des 20. Jahrhunderts hanebüchen. Soviel nur zu Querelen im inner- und inter-religiösen Diskurs.

Doch man muss den oder das kat-echon keineswegs den Apokalyptikern von rechts und links überlassen und auch nicht den konstitutionellen Hegern von Reichen, Empires und Netzen oder den ent- oder begeisterten Usern, Agenten und Verwaltern der Tele-Technologien.

Als Beispiele mögen zwei hier genügen. Die neuartige Auseinandersetzung mit dem Begriff des Archivs auf der Ebene des Sonischen und mit der (Bewegung in der) Landschaft und ihrer Physik der Steine.

Instantaner Zugriff und permanente Veränderung von Datenmaterial erzeugt bislang erst vorahmend gedachte tempor(e)alities. Die „Erleuchtung zwischen Speicher und Prozessor“ schien lange aufgeschoben, doch nun wird durch optische Vorrichtungen, also durch Licht, Effizienz und Produktivität gesteigert. Der optische Computer wie auch der simulierte Quantenrechner erhöht die Speicherkapazität in nachgerade gewaltigem Ausmaß. Nachdem die „Eisenzeit“ (Leiterbahnen aus Metall) endgültig zu Ende ist, bleibt bloß noch das mit Licht getunte Silizium Stein im Schuh avancierter Einbildungskraft. Die mancherorts begeistert vorangetriebene Akzeleration der Aufklärung (Verlichtung als Apokalypse) verspricht – fug-, naht- und schattenlos – die totale Gleichzeitigkeit. Dies betreibt – ob bewusst oder unbewusst mag dahingestellt bleibt – auch die Austreibung der Stimmen und des Geraunes, das sich durch die Ritzen und Fugen des alten Mauerwerks vorstellig macht. Wenn das Wort Glück von Lücke herstammt (so wie das Wort gap vom altnordischen gappa, der Öffnung im gebauten Schutzwall, auch Kriegsglück versprechen kann), dann wird dieses hier exterminiert und exorziert. Aus der Fuge soll nicht länger das vormals Abgeschiedene und Vergangene sich versprechen, man lauscht nicht mehr auf die sich mühselig durchringende Artikulation des anderen (schließlich verspricht und verheißt diese nicht nur Gutes, sondern ist zuweilen auch bedrohlich, traumatisch, unheimlich und abstoßend), sondern im gleißenden Licht soll sich der Bruch für immer schließen. Kein fade out oder Abschwächung durch Aufnahme und Überspielung (Durcharbeitung), sondern Auslöschung durch oligoptische Erleuchtung.

Und hier setzen ganz abseits vom krypto-katholischen Kontext andere Versuche ein. „Archival resistance against change is a virtue in the time of networked documents which dissolve into memory-buffered streaming data.“ (Wolfgang Ernst) Andere Formen der Wahrnehmung von Landschaft, Insistenz, Ausfall und der Umgang mit ihnen sind gegen das Annihilieren der Materialität ins Feld zu führen. Peter Handke in seiner Übersetzung eines Gedichts von René Char: „Mit euren Vorgängern war ich immer in Gefahr, zu hetzen. Ihr jetzt aber seid die richtigen, weil ich in euch spürbar die Erde stampfe, und vor allem, weil ihr mir als die nötigen Hemmschuhe dient. Ihr wißt ja, die einzige Erleuchtung, die ich bisher hatte, ist die Langsamkeit.“ Gehen, Sehen, Sagen, Halten, nicht Überstürzen. Und andererseits ein Stromausfall und der Sex und die Geschlechter und die Generationen und die Steine und ein Stern und die Tiere und gutes Schuhwerk … Allesamt Aufhalter der Vollendung, des Abschlusses, des Licht-Endes.

Ob es auch eine Katechonin geben kann oder gegeben hat wissen wir nicht. Doch dassdas Weibliche – das sich mitnichten auf die Frau beschränkt – sich des ungeschickten Zugriffs entzieht ist keine dunkle Andeutung, sondern fröhliche Wissenschaft.

Den Tatmenschen, die immer gerne auf Ganze gehen (kat-holos), sei jedoch ins altmodische Stammbuch geschrieben: „Wer den Antichrist will erschlagen, ist des Antichrists Thier, darauf er reitet, er wird nur mächtiger im Zanke.“ (Jakob Böhme, De triplici vita hominis, 1620)

Weiterführende Literatur:

Jane Bennett, Vibrant Matter: A Political Ecology of Things, Durham 2011.

—, Vibrant Matter – Zero Landscape, Interview mit Klaus K. Loenhart in: GAM Graz Architektur Magazin (7/2011)

Wolfgang Ernst, Chronopoetics of Techno-Archival Memory, in: Dis-Continuity (CTM.15 / 2014), S. 44-49.

KATECHONTEN. Den Untergang aufhalten. Tumult (Schriften zur Verkehrswissenschaft) Bd. 25, Berlin/Wien 2001.

Walter Seitter im Gespräch mit Rudolf Maresch, Die Unentrinnbarkeit des Politischen, online verfügbar.

Picture by Alastair (aka Hans-Henning von Voigt)

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