The Reading of a Dress (La Robe – Mis-en-scène)

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An experimental audio collaboration, between the fashion label kimberit and the author Andreas L. Hofbauer : a sound only fashion show.
After an original idea of kimberit, the artist will present a dress of her collection “Z-wie-Licht I 2 ½ D” (Z as light I 2 ½ D) by it’s oral description only, written by Andreas L. Hofbauer.
The haute couture collection explores a visual ambiguity, when at twilight, the light tends to fool our senses and makes the volumes disappear. Bringing further this affection of the senses and playing the game of experiment, the Lesung eines Kleides allows the visitor to experience a dress without seeing it. The apparel will take shape in the listener’s imagination, opening to a specific experience, beyond vision and touch.


Eine Schnittzeichnung ist eine Partitur, bei der Lesen hören heißt.
Wenn du aufhörst zu sehen, wirst du umso besser begreifen.
Wenn du aufhörst zu verstehen, wirst du umso geschickter berührt werden.
Aber wenn du partout sehen willst, dann schau’ im Zwielicht.

Premiere at BOUM #4 hosted by P.O.P. Berlin

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Pics by Kim Berit & Tristan Thönnisen

Wir sind hier nicht zum Spass!

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Dienstag, 9. Juli 2013, 19 Uhr
Elektronische Lebensaspekte

Talk mit Sandra Mamitzsch, Joachim Blank, Robert Henke aka monolake. Moderation: Andreas L. Hofbauer

“Future is now!” propagierte Captain Space Sex Mitte der 90er Jahre vielfach während seiner Performances. In Berlin entstand zu der Zeit mit dem Projekt Internationale Stadt eines der ersten digitalen sozialen Netzwerke und die Installation Wonga machte den Umgang mit elektronischen Klängen intuitiv. Aspekte von Wonga finden sich auch in der daraus entstandenen Software Ableton Live. Das Programm zählt seit Jahren weltweit zum Standardprogramm elektronischer Musikerzeugung und die Macht digitaler sozialer Netzwerke ist nicht erst seit dem Facebook-Börsengang offensichtlich. Ist die Saat also aufgegangen? Oder gibt es auch Schattenseiten dieser Entwicklungen? Hat sich elektronische Musik in den letzten Jahren nicht zunehmend verflacht? Sind wir in einer Zukunft angekommen, in der dabeisein wirklich alles geworden ist oder gibt es noch Raum für klangliche, technische und soziale Utopien?

Andreas L. Hofbauer moderated a panel with Sandra Mamitzsch, Robert Henke und Joachim Blank. This took place within the framework of the exhibition “Wir sind hier nicht zum Spass”, curated by Paul Paulun and Stéphane Bauer at Kunsthaus Bethanien Kreuzberg

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Pics by Torsten Oetken (Sensor/Holodeck) and Kate Erhardt (panel discussion)

The sound of a door opening

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An den Fenstern der Loge sind Blenden angebracht, die bis zur Augenhöhe der Häftlinge reichen, sodass diese, was immer sie unternehmen, nicht über sie hinwegblicken können.

Um das Durchscheinen des Lichts zu verhindern, durch das die Gefangenen trotz der Blenden erkennen könnten, ob sich jemand in der Loge aufhält oder nicht, wird dieser Raum mithilfe von Trennwänden in der Form zweier rechtwinkelig aufeinander stoßendern Kreisdurchmesser im Viertel aufgeteilt. … Die Türen dieser Trennwände könnten das Durchscheinen des Lichts ermöglichen, wenn sie offen gelassen werden. Um dies zu verhindern, kann nach Wunsch jede Trennwand geteilt werden, wobei die eine Hälfte derart neben die andere gestellt wird, dass eine Öffnung von der Breite einer Türe freibleibt.
(Jeremy Bentham)


Das Grimmsche Wörterbuch erklärt den Begriff hermetisch als Wortschöpfung, die sich auf Hermes Trismegistos bezieht und die angeblich von ihm erfundene Methode, Glasröhren luftdicht zu verschließen. Doch endigt der Eintrag eben dort mit einem Dichterwort von Gottfried August Bürger, dem Autor des Münchhausen, und zitiert diesen:

es ist geist, so rasch beflügelt,
wie der spezereien geist,
der, hermetisch auch versiegelt,
sich aus seinem kerker reist.

Dass wir es nun mit Kerker und Zelle sowie hermetischen Raum mit antithetischen Begriffen zu tun bekommen liegt auf der Hand. Warum man diese aber hier zusammenbringt, ohne sie dialektisch aufheben oder versöhnen zu wollen, mag dem einen oder anderen merkwürdig erscheinen.
Solches verdankt sich aber schon wiederum zweierlei: Einerseits dem Einfluss einer gewissen psychoanalytischen Herangehensweise, vornehmlich geprägt durch die Londoner Schule. „One must cast a beam of intense darkness so that something which has hitherto been obscured by the glare of the illumination can glitter all the more in that darkness.“ Und anderseits ist es eben eine vornehme Aufgabe, sich und sein Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen oder davon zu berichten, wie der Wolf das Pferd von hinten angreift, auffrisst und dann – in dessen Geschirr steckend – die Aufgabe des Pferdes übernimmt und uns nach St. Petersburg bringt.
(Andreas L. Hofbauer)

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Lecture given by Christian Welzbacher and Andreas L. Hofbauer 2013 for Wonderloch Kellerland in course of an exhibition called THE HERMETIC SPACE I. (All photographs by Wonderloch Kellerland; shown art pieces on this page by Markus Selg, René Luckhardt and Dieter Roth).


Get the volume at Matthes & Seitz Berlin

Tu felix Austria

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I feel like ivy on palaces walls
„Love blinds“ by Low Sweet Chariot (1)

Du glückliches Österreich … mögen doch die anderen. Wir nicht. Wir, ja wir machen das anders. Ganz anders. Und weil wir es ganz lieb und ganz ohne Krieg anders machen, finden wir unser Glück, in das wir uns gemeinsam reinlegen können wie in eine Badewanne oder in ein Himmelbett. Und da lieben wir uns dann aneinander und durchtränkt mit Liebe und voller Glücklichsein selber zu Tode. Darin besteht unser Glück.
Aber gemach. Denn wie ein großer Musiker der jüngeren österreichischen Musikgeschichte wusste, wird im Binnenland nur lauwarm gekocht. Warum also mit der Tür ins Haus fallen und meinen, man sollte das Wort Glück ebenso vermeiden, wie Samuel Beckett die Erste Person Singular und die Erste Person Plural? Wohl wissend, dass in nächster Zeit zwar keine Hochzeiten anstehen und auch die „high times“ den Zoll fortgeschrittenen Alters zu entrichten haben – könnte man sich nicht dennoch ein wenig in Schale werfen? Schließlich lässt sich doch nicht leugnen, dass unser Schiffchen in den Weiten des Ozeans unbeirrt Kurs hält, immer zwischen Entrepreneur- und Brinkmanship rudernd, zwischen Glam-Hysterie und klinischer Depression segelnd. Wunderkammer Österreich also doch, wie es einmal so schön hieß, zum Geburtstagserinnerungsfest, dem tausendsten. Alles Erinnerung, unvergessen. Morgen schon vielleicht werden die groß gewordenen Töchter und Söhne dem Mutterschoße fliehen, entkommen den zweifellos fetten Schenkeln Maria Theresias und dem strengen steinernen Faltenwurf der „Austria“, wie man sie als Bildsäule heute noch am Wiener Arsenal oder im Grazer Stadtpark oder in der Hofburg oder anderswo bewundern kann.

Alois-Drasche-Park, Wien IV, Wieden. Ehe das steif gewordene Zelluloid vom Super-8-Projektor zerbröselt wird und seltsam verzerrte Figuren auf der Leinwand erscheinen lässt, kann man mich sehen. Und meinen Kinderwagen, der auf erstaunliche Weise dem ähnelt – wie mir erst jetzt so recht auffällt – den sehr viel später die Mutter meines Sohnes kaufte. Marke Silver Cross. Made in U.K. Modell Kensington. Aber wahrscheinlich sahen damals fast alle Kinderwägen so aus. Wie sich auch alle Kinder in Filmen ähneln oder überhaupt fast jedes Bilddokument, wenn es alt genug ist, Teil der eigenen Familiengeschichte sein könnte. Erinnerungskonstruktionen à la Christian Boltanski. Wir ahnen, dass wir uns allesamt im Vergänglichen gleichen. Auf anderen Filmrollen stapfe ich munter in Richtung Kamera oder stehe da, in die Sonne blinzelnd, an der Hand von Mama oder Papa. Keine Filmrolle hält lange durch. Die Geschmeidigkeit des Materials ist abhanden gekommen. Nur beständiges Surren des Projektors und stetig gleißendes Durchlicht.

Immer mittwochs am Nachmittag pflegte ein alter Mann uns zu besuchen, der wohl sonst wenig Ansprache hatte und unserer Familie über irgendwelche Ecken herum bekannt war. Immer elegant gekleidet, mit handgefertigten, aber etwas derben Schuhen und im Anzug, war dieser auch abgeschabt und nicht als wirklich sauber zu bezeichnen. Nach dem Kaffee wurde hazardiert, wie er es scherzhaft ausdrückte. Das bedeutete, er spielte mit mir, dem damals etwa 12jährigen, unzählige Runden Schnapsen. Ein Spiel, auf das sich merkwürdigerweise meine Eltern nicht verstanden und es daher zu keinem so genannten Bauern- oder Viererschnapsen kommen konnte. Während er regelmäßig schamlos betrog, erzählte er immer dieselben Geschichten. Wie er Alexander Moissi noch auf der Bühne gesehen habe. Den Richard Tauber leibhaftig singen hörte. Wie seine jüdischen Freunde ihn freundlich als „Schmock“ bezeichneten, was er offensichtlich etwas missverständlich auf seine Eleganz und sein Kulturinteresse bezog. Er erzählte von „Stoß“ und „Zensern“, den echten und wirklich gefährlichen Hazardspielen der Wiener Unterwelt zum Zwecke der völligen Ausraubung von Großbauern, nachdem diese auf dem Viehmarkt sich eine goldene Nase verdient hatten. Ihnen wurde ihr Geld postwendend in der Leopoldstadt im Zuge unlauteren Wettbewerbs wieder abgenommen. Trotz einer gewissen Ehrfurcht im Ton versäumte er es niemals, mich eindrücklich zu ermahnen, meine Finger von derlei Tun zu lassen. Zwischen diesen Erzählungen stimmte er auch immer wieder dieses oder jenes Lied an. In seiner Jugend hatte er Gesangsstunden genommen und seine Stimme war auch im Alter eine durchaus angenehme. Besonders dann, wenn er die Karten wieder unverhohlen zu seinem Vorteil arrangiert hatte, stimmte er „Heute spielt der Uridil, das is a Hetz und kost net viel“ an. Da ich schon mit jungen Jahren eine Zuneigung zu Engeln gefasst hatte (zu gefallenen und nicht gefallenen) rätselte ich immer irgendwie ob des Namens, der mich in keiner Weise an den berühmten Stürmer von Rapid Wien gemahnte. In dieser Hinsicht denke ich, war er ohnehin von mir enttäuscht. Ich konnte seine Leidenschaft für den Fußball nicht teilen und war wahrscheinlich immer reichlich verständnislos, wenn er mir legendäre Szenen aus den Stadien beschrieb, gespickt mit seltsamen Begriffen wie „Linksverbinder“ oder „Rapid-Viertelstund’ einklatschen“. Als Herr Swoboda (bis heute entsinne ich mich nicht, jemals seinen Vornamen gehört zu haben) starb, erfuhr ich nichts davon. Meine Eltern hatte es nicht der Mühe Wert gefunden mir davon zu erzählen oder zu seiner Beerdigung zu gehen. Zugegeben fiel mir sein Fehlen auch nicht auf, denn die Tage des Kartenspielens waren damals schon vorbei. Erst neulich aber begegnete er mir wieder in einem meiner Träume.

Es ist ziemlich kalt. Ich laufe meinem Sohn hinterher. Wir haben einen Ball zum Fußballspielen mitgebracht. Es ist kein richtiger Fußball, sondern hat die Form eines „american football“. Ein Hase namens Felix ist darauf zu sehen. Gleisdreieckgelände, Seite Möckernstraße, Berlin Kreuzberg. Immer wenn ich hier bin, kommt mir das „Bekenntnis zum Gleisdreieck“ (2) in den Sinn, ausgerechnet von Joseph Roth im Sommer 1924 für die Frankfurter Zeitung verfasst. Ausgerechnet deshalb, ist es doch für Roth äußerst untypisch. Gebannt von den riesenhaften, stählernen Hochbahnviadukten, die damals zu den größten und kühnsten Europas zählten, beschwört er eine Zeit der Maschinen herauf, wo das Gesetz des Verkehrs, die Gleichgültigkeit des Maschinischen, die Macht der Beschleunigung alles so genannte Menschliche und Natürliche unterworfen hat. Ein neues Zeitalter schien heraufzudämmern und Roth bekannte sich dazu mit rückhaltlosem Ja! Nur mehr schüchtern und verschämt werden es die Gräser und Halme wagen, zwischen den metallenen Schwellen zu blühen. Der Mensch reduziert auf sein Gewese in winzigen Rangierhäuschen. Eine eiserne Redoute mit willfährigem Servicepersonal. Der Ball eiert und schlittert auf mich zu. Das Gleisdreieckgelände ist heute zum Großteil Brachland. Unbefahrene Schienen allen Orts, ungenützte Bahnsteige, dem Rost überantwortet, Baumbestand. Unweit das Deutsche Technikmuseum. Zwei Windmühlen von dessen Freigelände winken uns vorindustriell zu. Wo früher die Schönen und Reichen in einem Restaurant Ente speisten und sich dabei durch allerlei Revuegekaspere unterhalten ließen, hat sich nun eine riesenhafte Betonfreifläche breit gemacht. Ich staune, wie weit mein Sohn bereits einen Ball kicken kann. Große Tafeln erinnern an eine Zukunft, in der es hier einmal Abenteuerspielplätze, Themenparks, Wellness-Oasen geben wird. Urbane Masterpläne, die jetzt schon von Witterung und Graffiti stark angegriffen scheinen. Ich denke, es wird langsam Zeit zu gehen. In den Büroetagen des nahe liegenden Potsdamer Platzes rotieren die Festplatten in den Laptops lautlos. In den digitalen Teilnehmeranschlüssen drängen sich die Daten. Marius möchte jetzt ein Pez-Zuckerl.

Ich und Wir und die Anderen auch … verloren im verworrenen Ticktack der Zeit. Nicht alle haben die Dioptrinzahl der „glücklichen Augen“.(3) Ob dies aber von Vorteil ist, mag dahingestellt bleiben.
Lieben heißt: Mehr geben als man hat. Was bleibt, bist … du.

Andreas L. Hofbauer for peng! 1/2008

(1) http://www.myspace.com/lowsweetchariot
(2) In: Joseph Roth, Berliner Saisonbericht. Unbekannte Reportagen und journalistische Arbeiten 1920-39, Köln 1984
(3) Ingeborg Bachmann, Ihr glücklichen Augen, in: Sämtliche Erzählungen, München 1996